Sendungen in die Schweiz bis zum 1.9.1868

Bis zum 1.9.1868 galt für Sendungen in die Schweiz die der Verfügung 239 vom 1852 auch Lindauer Übereinkunft von 1852 über die "Behandlung der diesseitigen Correspondenz nach und aus der Schweiz" Östererich, Baden, Bayern Württemberg und Thurn und Taxis haben mit der Schweiz einen Postvertrag abgeschlossen. Zum Vereinsporto kommt das Schweizer interen Porto in der Grenzregion (unter 10 Meilen) von 1 Sgr. und in der übrigen Schweiz von 2 Sgr.

Es besteht kein Frankierungszwang. „Eine theilweise Frankatur ist nicht statthaft.“ Unterfrankierte Sendungen werden als unfrankierte behandelt und daher mit dem vollen Porto belegt. Es gilt die Vereins-Gewichts-Progression. Ab 1.7.1856 wurden Teilfrankaturen anerkannt.

Kreuzbandsendungen werden mit 1 Sgr. je Zollot berechnet. Warenproben und Reco-Briefe werden wie Vereins-Sendungen behandelt. Bei Sendungen im Transit durch die Schweiz kommt zm Vereins-, und Schweizer Porto noch das fremde Porto.

 

Post in die Schweiz lief in der Regel über Baden, wobei die Badener Post mit der Schweizer Post direkt abrechnete. 

31.12.1867 ein Faltbrief nach Zürich. Zürich lag im 1. Schweizer Rayon. Daher setze sich das Franco aus 3 Silbergroschen bis zur Grenze + 1 Silbergroschen für den 1. Schweizer Rayon zusammen. Den blauen 1 Sgr. (rot gestrichen) bekam die Badener Post, die mit der Schweiz an der Grenze 3 Kreuzer (rot) abrechnete. Den 1/4 Groschen Differenz strichen die Badener ein. Der Beleg vom 31.12.1867 ist zudem ein Brief vom letzten Tag der Preußischen Post. (Spalink Type 34-2)

 

1.2.1868 ein Faltbrief unfrankiert als Portobrief versandt. Porto und Franco waren gleich. Die „40“ Rappen -rot- (entsprach 12 Kreuzer) wurden vom Empfänger kassiert. Der Preußischen Post wurden „9“ Kreuzer -blau- angerechnet. (Spalink Type 34-1)

 

 14.4.1868 - ein mit 4 Sgr. frankierter Brief für den 1. Schweizer Rayon. Herzogenbuchsee liegt gut 4 Meilen von der Grenze entfernt, die Badener Postbeamten gaben nur 3 Kz. (rot) an die Schweiz weiter. (Spalink Type 21-1)

 

2.6.1868 - bis zum 31.8.1868 kostete der einfache Brief in den 2. Schweizer Rayon 5 Sgr. Mit 2 Sgr. war der Brief unterfrankiert; "reicht nicht" lesen wir neben der Marke. Der Fehlbetrag waren 3 Sgr. welcher blau notiert wurde und die gestrichene "1" in blau steht für den Anteil für den NDP. Der Empfänger musste "30" Rappen Porto bezahlen, die rot notiert sind. (Spalink Type 11-1N1)

 

Sendungen in die Schweiz ab den 1.9.1868

Für Sendungen in die Schweiz tritt am 1.9.1868 ein neuer Postvertrag in Kraft. In der Verfügung 153 von 1868 lesen wir. Für Briefe besteht kein Frankierungszwang, einfache frankierte Briefe bis 1 Lot kosten 2 Sgr. bzw. 7 Kr., ab 1 Lot 2 Sgr. bzw. 7 Kr. bis zu einem Gewicht von 15 Lot. Unfrankierte Briefe kosten das Doppelte (4 Sgr. bzw. 14 Kr. für den einfachen Brief).

Für Sendungen im Grenzbereich gilt ein Sondertarif sofern die Orte nicht mehr als 7 Meilen Luftlinie voneinander entfernt sind (3 Kr. für frankierte bzw. 7 Kr für unfrankierte Briefe).

Drucksachen und Warenproben müssen frankiert sein. Drucksachen kosten 1/2 Groschen bzw. 2 Kr. oder 1 Kz. im Grenzbereich. Für Warenbroben gilt ein Tarif von 2 1/2 Sgr. je 40g.

Nicht ausreichend frankierte Sendungen werden als unfrankierte Briefe taxiert und für den Wert der Freimarken werden je Groschen 12 1/2 Rappen angerechnet.   

Es ist gestattet Briefe, Drucksachen und Warenproben einzuschreiben (2 Sgr. bzw. 7 Kr.), auch ein Rückschein (2 Sgr. bzw. 7 Kr.) kann verlangt werden.

 

 26.9.1870 - Auslandsdrucksache aus Lübeck nach Langnau im Emmental wurde mit 1/2 Sgr. korrekt freigemacht. (Spalink Type 22-2)

 

Kleiner Exkurs - Die Blaue Stempelfarbe:

Auf der Suche nach der zweckmäßigen Farbe zum Entwerten der Postfreimarken wurde man in Berlin 1865 auf die Praxis des Eisenbahn-Postbüros Nr. 10 aufmerksam, welches seit dem Jahreswechsel 1864/65 den Streckenstempel Verviers – Cöln in blau abschlug. Auf Grund der guten Erfahrungen erfolgten auch bei den Berlinern Postämtern Versuche mit Blauer Farbe. Im Laufe des Jahres 1869 kehrte man zur Schwarzen Farbe zurück. Nur beim Berliner Hofpostamt, welches auch den Berliner Hufeisenstempel in Einsatz hatte, wurde Blau noch bis 1872 verwendet. Vermutlich wurden dort die Restbestände aufgebraucht. (Mehr dazu finden Sie in unseren Rundbriefen.)

1869 - zwei Faltbriefe nach Neuchâtel mit schwarzer und blauer Stempelfarbe. Die schwarze Farbe wurde nur am 21.9 verwendet, die Tage davor und danach wurde Blau verwendet. (Spalink Typen 1N2a und 1N3b)

 

7.7.1871 - auf einem einfachen Faltbrief nach Zürich finden wir den letzten bekannten Abschlag eines Hufeisenstempels aus Crefeld Spalink Type 6-2.

 

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