Orts-Wertbrief aus Dresden

Von Sachsen sind Orts-Wertbriefe mit verschiedenen Frankaturen bekannt (1 Gr., 1¼ Gr. und 1½ Gr., siehe z.B. Rundbrief 52 und 57). Zu Orts-Wertbriefen haben wir noch keine Registraturtabelle angelegt; Ihre Vorlagen sind also sehr willkommen. Der Schriftführer beginnt einmal mit einem Pendant zu dem in RB 57 gezeigten Brief an F.M. Mothes:

Herr Mothes war ein Cigarren- und Cigarettenfabrikant (Quelle: Adressbuch Dresden 1871). Was könnte der Grund sein, ihm innerhalb der Stadt Geld im Umschlag zu schicken?

 

Auslagen für ein Reklamationsschreiben

Hier kommt nun eine Knobelaufgabe Ihres Schriftführers.

Dieser 1 Groschen-Brief wurde am 19.9.69 von Hamburg nach Leipzig, postlagernd, gesandt. Am 20.9. ist er laut Ausgabestempel auch dort angekommen (wurden auch bei postlagernden Briefen Ausgabestempel bei der Ankunft angebracht, auch wenn sie später erst bei der Post abgeholt wurden ?) und wurde offenbar bis 19.10. (weiterer Ausgabestempel), also einen ganzen Monat dort aufgehoben und offenbar nicht abgeholt. Mit diesem Datum wurde auch ein blauer Vermerk (in der Mitte) angebracht: „nachges(andt) 19/10 (nach) 124 rue Rivoli, Paris.“ (Da ist heute ein C&A drin.)

 

Ein weiterer Vermerk wurde oben angebracht: „5 gr.(?) Porto Nachnahme für 1 Anfrage unfrancirtes ReclamationsSchreiben“ und unten links „pro 5“, also Auslagen 5 Groschen, sowie der Entlastet-Stempel von Leipzig. Offenbar ist der Brief unfrankiert nach Paris nachgesandt worden, und in Paris deswegen mit 5 Decimes taxiert (mit den 5 Groschen Auslagen hat das m.E. nichts zu tun). Also:

 

  • Was bedeutet Reklamationsschreiben?

 

  • Wovon musste sich Leipzig entlasten?

 

  • Warum ging der Brief nach der Postlagerzeit nach Paris? Stand die Adresse innen im Brief? Oder erhielt Leipzig eine Nachricht, die postlagernden Sendungen an Monsieur Calmettes nach Paris weiterzuschicken? (War das vielleicht das unfrankierte Schreiben?)
  • Von wem wurden die Auslagen verlangt, und wurden sie bezahlt? Waren Auslagenbriefe nach Frankreich zulässig?

 

Unfrankierte Wertbriefe kosteten kein Zusatzporto

 

Diese Vorlage ist wieder einmal Gelegenheit für den Hinweis, dass unfrankierte Wertbriefe zur Fahrpost gehörten und deswegen nicht mit einem Zusatzporto wie bei gewöhnlichen Briefen belastet wurden.

 

Der hier vorgelegte Brief von Stettin nach Waltershausen (50 Meilen) hätte also auch frankiert 5 Groschen (4 Groschen Wertbriefporto, 1 Gr. Assecuranzgebühr) gekostet.

 

Solche unfrankierten Wertbriefe kommen wesentlich seltener vor als frankierte; vielleicht fand der Absender es doch sicherer, für die wertvolle Sendung das Porto im Voraus zu bezahlen.

 

Natürlich kosteten unfrankierte Paketbegleitbriefe ebenfalls kein Zusatzporto, wie die weitere Vorlage zeigt.

 

 

 

 

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